Die Sicht der Kinder

Wissenschaftliche Begleitung: Die Sicht der Kinder

Die Sicht der Kinder auf digitale Medien und Angebote in der Peter-Gläsel-Schule

„Wir konnten uns schnell aushandeln“ (Interview 1) – Argumentieren lernen, Themen und Lösungen aushandeln und dabei Verantwortung übernehmen: Das sind wichtige Bestandteile des Schulkonzepts der Peter-Gläsel-Schule. Und so verwundert es eher nicht, dass diese Aussage eines interviewten Kindes auch zum Thema des Einsatzes digitaler Medien getroffen wurde. Die Interviews fanden im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung durch den Arbeitsbereich Grundschulpädagogik und Frühe Bildung der Universität Paderborn im April 2018 statt.

Während im Vorjahr die wissenschaftliche Begleitung die Gestaltungmöglichkeiten der Kinder in Bezug auf ihre eigenen Lernwege in den Blick nahm, gemäß was lerne ich wo, wie, mit wem und wann(wir berichteten), wurden in diesem Jahr Fragen der Nutzung digitaler Medien in der Schule hinzugefügt. Den Interviews waren – wie bereits im Vorjahr – zahlreiche Beobachtungsmomente vorausgegangen und zwar in Form sogenannter Teilnehmender Beobachtungen. In den wöchentlichen Beobachtungen wurden die vielfältigen Umgangsformen der Kinder mit digitalen Medien (Tablet, Computer, Programmieren mit LEGO) erfasst, und zwar im Rahmen von Ateliersarbeit sowie bei konkreten Angebotsformaten wie Trickfilmund LEGO Milo. Basierend auf diesen systematisch erhobenen Momentaufnahmen erfolgte die Planung der Kinderinterviews. Vor der Durchführung der Interviews wurden die Kinder jedoch zunächst über das Ziel und das genaue Vorgehen informiert: Wenn ihr uns eure Meinung zu euren Mitbestimmungsmöglichkeiten und zu den Lernangeboten der Peter Gläsel Schule sagt, können wir Erwachsenen die Schule immer weiter verbessern! Erst nach Zustimmung der Kinder (einschließlich der Einverständniserklärung der Eltern) erfolgte die Durchführung der Interviews. Insgesamt nahmen über 20 Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren an den Einzelinterviews teil. So hatte jedes Kind für sich die Gelegenheit und Zeit seine Sicht der Dingezu den alltäglichen Erfahrungen im Umgang mit digitalen Medien und Angeboten in der Schule zu schildern.

Erste Ergebnisse verdeutlichen, dass die Kinder große Gestaltungsmöglichkeiten und viele verschiedene Formen der Beteiligung und Mitgestaltung insbesondere bei den Angeboten Trickfilmund Lego Milosehen. Vor allem mit Blick auf den Trickfilm beschreiben sie, dass sie hier viel ausprobieren können, indem sie mit unterschiedlichen Materialien das Filmset gestalten und selbständig Einstellungen am Tablet bzw. an der Film-App vornehmen können. Bei dem Angebot von LEGO Milo sehen die Kinder insbesondere den Gewinn im systematischen Bauen und Programmieren von verschiedenen LEGO-Modellen. Einige Kinder sagen, dass sie bei LEGO sozusagen eine eigene Sprache lernen. Die Nutzung von Tablets und Computer ist in das Schulleben der Peter Gläsel Schule fest integriert. Die Auswertung der Kinderinterviews verdeutlicht, dass die älteren Kinder den Tablets eine höhere Priorität einräumen, während der Computer aufgrund der dort installierten Lernsoftware verstärkt von den jüngeren Kindern genutzt wird. Allerdings erfolgt die Nutzung der digitalen Medien oftmals auch in altersgemischten Gruppen. In diesem Zusammenhang wird der Unterstützung durch Mitschüler und Mitschülerinnen eine hohe Bedeutung beigemessen. So brauchen einige Kinder noch Unterstützung hinsichtlich des Umgangs mit Hard- und Software. Andere Kinder wiederum brauchen Orientierung bei der Recherche im Netz. Ein Teil der befragten Kinder sieht sich selbst als Helfer und Experte, um andere Kinder zu unterstützen. Weiter beschreibt ein Großteil der Kinder, wie schwierig es ist, sich an abgesprochene Zeitfenster hinsichtlich der bereitgestellten Medien zu halten. Hier werden vermehrt Ursachen für Streit und Konflikte angeführt. Es bräuchte, so die Kinder, in den Ateliers oder bei den Angeboten Filmund Lego dann manchmal ziemlich Zeitbis Ärger und Streitereien geklärt seienund man endlichweitermachen könnte. Aussagen wie „Immer abwechselnd. Und das fand ich gerecht“ (Interview 19) oder „Da habe ich immer solche Vorschläge gemacht“ (Interview 18) zeigen auf, wie Kinder versuchen Kompromisse zu schließen. Die Kinder benennen hier auch die Wichtigkeit der Lernbegleiter und Lernbegleiterinnen, die durch gute Fragenoder TippsHilfestellung geben.

Anhand der ausgewählten Ergebnisse lässt sich resümieren, dass die integrierte Mediennutzung an der Peter-Gläsel-Schule viel Raum für eigene Gestaltung und selbst bestimmbare Bildungsprozesse ermöglicht. Die Kinder erfahren somit in verschiedenen Bereichen der Schule Selbstwirksamkeit, Anerkennung und Zugehörigkeit. Es ist ein erfreuliches Ergebnis, dass die Einbindung digitaler Medien in den Schulalltag als wichtiger Baustein im Bildungskonzept der Schule auch von den Kindern selbst eine hohe Bedeutung beigemessen wird.

Und wie geht es weiter? Gemäß dem sportlichen Motto – nach dem Spiel ist vor dem Spiel– wird gegenwärtig die nächste Forschungseinheit geplant. Da wir sehen, wie kompetent die Kinder über ihr eigenes Lernen, ihre Bedürfnisse und Wünsche Auskunft geben können, sollen sie noch viel konsequenter als bisher in den Forschungsprozess selbst mit einbezogen werden. Ab Oktober wirken die Kinder daher erstmalig an allen Phasen des Forschungsprozesses aktiv mit. Vom Finden einer eigenen Fragestellung bzw. Veränderungsmöglichkeiten in der schulischen Lebenswelt, über die Entwicklung und Durchführung von Erhebungsmethoden und Datenauswertung, bis hin zur Präsentation eigener Ergebnisse und einer damit verbundenen Rückkopplung an die Schulcommunity. Eine spannende Reise,die nach den Herbstferien für interessierte Kinder starten wird. Hierzu erfolgen noch gesonderte Informationen. Für Rückfragen zur wissenschaftlichen Begleitung durch den Arbeitsbereich Grundschulpädagogik und Frühe Bildung der Universität Paderborn stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Sie erreichen mich unter folgendem Kontakt: Birgit Hüpping / Mail: birgit.huepping@upb.de.